Der Gasthof Neuhaus: seit 450 Jahren ein Platz für Begegnungen

Tradition im historischen Zentrum berchtesgaden

Wer heute unter den Kastanienbäumen im Biergarten des Gasthof Neuhaus sitzt, ahnt vielleicht nicht, dass hier schon vor 450 Jahren Gäste einkehrten. Im historischen Zentrum von Berchtesgaden, direkt neben dem Königlichen Schloss gelegen, zählt es zu den ältesten Wirtshäusern der Region. Seit 1576 wird hier eingekehrt, gefeiert, getratscht und gelacht. Generationen von Einheimischen und Gästen haben das Haus mit Leben gefüllt und seine Geschichte mitgeschrieben.

Gäste in bayerischer Tracht in geselliger Runde im Gasthof Neuhaus in Berchtesgaden

Wo seit 1576 gemeinsam angestoßen wird

Ursprünglich als Hoftaverne erbaut, bewirtete das Neuhaus einst Gäste des fürstlichen Hofes. Später wurde es zu einem der wichtigsten Treffpunkte des Ortes. Damals stand zunächst ausschließlich Wein auf der Karte, denn Bier ließ sich noch nicht lange lagern. Erst nachdem Anton Wurm, der damalige Besitzer des Berchtesgadener Hofbrauhauses, das Anwesen 1815 erwarb, wurde das Bier zur festen Größe im Neuhaus. Bis heute fließen die von den Berchtesgadenern geschätzten heimischen Bierspezialitäten des Hofbrauhauses in die typischen Glaskrüge.

Historische Schwarz-Weiß-Aufnahme des Gasthof Neuhaus am Marktplatz in Berchtesgaden

Als das Neuhaus wieder zum Leben erwachte

Nach der Schließung 1971 war das traditionsreiche Haus viele Jahre nur sporadisch geöffnet. Erst als Peter Hettegger das Neuhaus im Dezember 2012 von Familie Georg Kriss übernahm, begann ein neues Kapitel. Die Spuren der Zeit waren unübersehbar und eine Sanierung dringend notwendig. Mit klarem Ziel: den einzigartigen Charakter des Hauses bewahren und seine Geschichte wieder erlebbar machen.

Des kinna ma so ned lassn. Mittn am schönsten Platz im Markt. Und wenn ma nur a paar Bänk aufstellen im Kastaniengarten und Bier und Kracherl zur Selbstbedienung hinstellen – irgendwas miass ma doa“, erinnert sich Martina Hettegger an die ersten Gedanken nach dem Kauf.

Biergarten des Gasthof Neuhaus in Berchtesgaden mit Gästen unter Sonnenschirmen im Sommer

Noch bevor die eigentliche Sanierung begann, wurde zunächst der Biergarten wiederbelebt. Werner Bauer vom Berchtesgadener Hofbrauhaus half spontan mit Biertischen, Bänken, Sonnenschirmen aus, das Bier floss aus der mobilen Schankanlage, die sonst bei Messen zum Einsatz kommt. Gemeinsam mit Freunden und Mitarbeitenden wurde aufgebaut, improvisiert und angepackt. So wurde das Neuhaus bereits in seinem ersten Sommer wieder ein lebendiger Treffpunkt mitten im Markt. Im Herbst folgten die ersten größeren Umbaumaßnahmen und legten den Grundstein für das heutige Neuhaus, das im Übrigen im Winter ein fester Bestandteil des Berchtesgadener Advents und ein gemütlicher Treffpunkt in der stimmungsvollen Adventszeit ist.

Historische Stube im Gasthof Neuhaus in Berchtesgaden mit Holzvertäfelung und traditioneller Einrichtung

Altes bewahren, statt Geschichte neu zu erfinden

In Liebe denken wir bei den Umbauarbeiten des Hauses an unseren Sepp Hettegger, der mit großem Gespür für die historische Bausubstanz und seinem Knowhow die Restaurierung maßgeblich leitete. Der Anspruch war, die Geschichte des Hauses nicht neu zu erfinden, sondern sie behutsam freizulegen. So blieben die historischen Gewölbe, die gemütlichen Stuben und zahlreiche originale Bauelemente erhalten.

Unterstützt wurde er von unserem langjährigen Freund Robert Brandner, der die Innengestaltung der Gasträume organisierte. Kissen und Vorhänge ließ er aus Leinen fertigen, die historische Holzdecke ölte er selbst neu ein. Alte Zunftwappen, Schießscheiben, Gewehre, Bilder und Jagdtrophäen fanden unter seiner Regie ihren Platz und verleihen den Stuben ihren unverwechselbaren Charakter. Auch der Kachelofen wurde mit historischen Kacheln sorgfältig neu gesetzt und sorgt für eine behagliche Atmosphäre.
Historische Aufnahme des Biergartens im Gasthof Neuhaus in Berchtesgaden mit Gästen unter großen Kastanienbäumen

Vom improvisierten Biergarten zum heutigen Neuhaus

Der Biergarten selbst erhielt nach der improvisierten Wiedereröffnung im ersten Sommer sein heutiges Gesicht mit dem roten Kiesboden, den kleinen offenen Hütten und der Terrasse mit Blick in die Fußgängerzone. Später entstanden Wintergarten und Schwemme, dazu kam eine neue Schankanlage des Berchtesgadener Hofbrauhauses. Seither werden im Neuhaus ausschließlich die Bierspezialitäten des Berchtesgadener Hofbrauhauses ausgeschenkt. Nicht nur aus Verbundenheit zu einem langjährigen Partner, sondern auch wegen des hervorragenden Geschmacks.

Ein Wirtshaus lebt von seinen Menschen

Ein echtes Wirtshaus lebt nicht nur von gutem Essen, sondern von den Menschen, die immer wiederkommen. Die Stammtische im Neuhaus sind das beste Beispiel: Hier treffen sich Freunde, Nachbarn, Vereine und langjährige Wegbegleiter. Es wird gelacht, Karten gespielt, und bei einer Halben Bier und einem knusprigen Schweinebraten Neuigkeiten ausgetauscht. Nicht selten trifft man hier auch Seniorchef Peter Hettegger, der sich gerne über aktuelle Entwicklungen und das Geschehen in der Region austauscht.

Geselligkeit und gelebtes Brauchtum gehören im Neuhaus einfach dazu: Von Palmsonntag bis Anfang Oktober wird Sonntags- und an Feiertagen beim Frühschoppen zusammengesessen, am Montagabend gehört das Parkett der Jugend der Trachtenvereine.

Tradition, die jeden Tag weitergeschrieben wird

Viele engagierte Menschen führen die Geschichte des Neuhauses weiter. Küchenchefin Bernadette steht für eine ehrliche, regionale Küche mit viel Liebe zur Hausmannskost. Besonders beliebt sind ihr Schweinsbratn und die Haxn, die zweimal täglich frisch aus dem Ofen kommen. Restaurantleiter Nico bringt seine langjährige Erfahrung ein und sorgt gemeinsam mit seinem Team für herzliche Gastfreundschaft.

Mit dem Ausbau des historischen Saals im Jahr 2023 wurde das Neuhaus um einen weiteren besonderen Ort für Hochzeiten, Familienfeiern und Feste erweitert.

Ein Platz für Begegnungen – seit 450 Jahren

Das Neuhaus hat Fürstpröpste, Reisende, Einheimische und Wirte kommen und gehen sehen. Es hat sich immer wieder gewandelt, und ist doch eines geblieben: ein Ort, in dem bayerische Gastlichkeit gelebt wird. Dafür sorgt das gesamte Team jeden Tag mit viel Herzblut und echter Leidenschaft.